Bisher war Google ein reines Internet-Unternehmen, das vor allen eines Herstellte: „Content“ – Inhalte. Ob es das Kerngeschäft Suchmaschine war, oder Webanwendungen wie Gmail, Google Calendar. Oder der Zukauf von Inhalte-Anbietern wie YouTube. Doch jetzt scheint Google auf einmal völlig neue Sektoren erschließen zu wollen und wird dabei unter anderem zum Hardware-Hersteller!
Für einen offiziell nicht genannten Betrag hat Google jetzt Image America übernommen, einen amerikanischen Hersteller von speziellen High Tech-Kameras für die Luftbildaufnahmen. Google war bereits Nutzer und Kunde von Image America, denn es wurden bereits Bilder für Google Earth und Google Maps bei dem Unternehmen eingekauft. Jetzt hat Google den Kameraproduzenten vollkommen übernommen und betätigt sich damit erstmals als Hardware-Hersteller. Die Absicht dahinter scheint teilweise klar. Die detaillierten Aufnahmen für Google Earth & Maps sollen mit Sicherheit deutlich ausgebaut werden. Google Product-Manager Stephen Chau erklärt im Lat Long Blog, das von den Entwicklern vonm Google Earth & Maps betrieben wird:
ORIGINAL: We’re excited about how ImageAmerica’s technology will contribute to our mapping services down the road. Since we’re in the research and development phase right now it may be some time before you see any of this imagery in Google Maps or Earth — we’ll keep you posted on this blog!
ÜBERSETZUNG: Wir sind gespannt, wie die Technologie von Image America unsere Kartographie-Services in Zukunft ergänzen wird. Da wir noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase sind, wird es wohl noch etwas dauern, before Sie Bildmaterial in Google Maps oder Earth sehen – Wir halten Sie hier in diesem Blog auf dem Laufenden.
Man darf auch nicht vergessen, dass Google vor einiger Zeit bereits eine Kooperation mit dem Volkswagen-Konzern geschlossen hat, um Google Maps & Earth als Basis für zukünftige Navigationssysteme anzubieten. Der Im September erscheinende kompakte SUV VW Tiguan soll angeblich das erste Fahrzeug sein, dass von dieser Kooperation profitiert und mit einem Google Maps basierten Navi ausgestattet werden kann. Und wer sich schon einmal die Routenplanungs- und Navigationsfunktionen des Mobiltelefons Nokia N95 angeschaut hat, wird auch eine sehr auffällige Ähnlichkeit mit Google Maps & Earth feststellen.
Mobilfunk ist das nächste Stichwort, denn derzeit bietet Google mit einem Betrag von 4,6 Milliarden US-Dollar bei der Versteigerung für eine Mobilfunklizenz im 700 Megahertz-Band mit. Auch wenn die Regularien für dieses Band noch nicht „in Stein“ gemeißelt wurden, so sagt Google bereits, dass man eine vollständige Öffnung des Netzes anstrebe. Mit anderen Worten, egal, wer letztendlich den Zuschlag bekommt, über die Öffnung des Netzes könnten dennoch anderen Anbieter Lösungen realisieren und Kunden entsprechenden Zugriff bekommen.
Zu dieser Öffnung soll auch gehören, dass es keine fest vorgeschriebene Hardware noch regulierte Softwareanwendungen geben soll. Weiterhin sollen Drittanbieter Netzkapazitäten vom Inhaber der Lizenz mieten können dürfen. Google hat den Willen erklärt, 4,6 Millionen US-Dollar zu bieten, wenn diese Öffnung des Netzes in die Regulierung einfließen wird.
Was genau Google mit dieser Mobilfunklizenz und dem Bestreben, deren vollkommene Öffnung zu erreichen, vorhat ist noch genau zu erkennen. Dennoch steht fest, dass die Geschäfts- und Gebührenmodelle bisheriger Mobilfunkanbieter damit deutlich unter druck geraten könnten. So wäre es, wenn man ein wenig „orakelt“ denkbar, dass das mobile Telefonieren kostenlos angeboten wird, und stattdessen an mobilem Content Geld verdient wird. So könnte auch ein Zusammenhang mit der oben erwähnten Aquise des Kameraherstellers gesehen werden, denn gerade geographische Dienstleistungen sind ja auch für Handynutzer sehr interessant.
Kommentar: Spinnen wir den Gedanken doch einmal weiter. Google hat durch zahlreiche eigene Dienste und Services sowie den Zukauf von anderen Content-Anbietern ein riesigen “Inhalte-Imperium” aufgebaut. Maps & Earth werden nicht zuletzt durch die Aquise von Image America zu einem Fundament für viele verschiedene geopgraphische Dienste, die bei KFZ- und Fußgängernavigation noch längst nich aufhören müssen. Durch den Erwerb einer Mobilfunklizenz hätte Google dann auch einen Fuß im Bereich der mobilen Datentransportinfrastrutkur. Damit ließe sich dann Inhalte über ein eigenes Netz an mobile Nutzer verteilen. Und wie Sie sicher wissen, kann Mobilfunk in beide Richtungen funken. Das streben nach vollkommen offenen Standards könnte man also auch so interpretieren, dass Google hier auch den momentanen Standort eines Nutzers in Echtzeit auswerten möchte. Einerseits könnte man damit wieder interessante Dienstleitungen anbieten. Die Vorstellungen, die die Kehrseite dieser Medaille mit sich bringt – Big Brother Google is watchign you everywhere – finde ich indes schon ziemlich gruselig! Google wird mir langsam etwas unheimlich!