eBay 3...2...1...meins!

Jul 13

Die Welt titelt „Ebay hat seinen Zauber verloren“Auch Die Welt stimmt in einem Online-Artikel ein in den Chor der Medien, die dunkle Wolken am eBay-Himmel sehen. Die Einleitung des Artikel lautet: „Weniger Auktionen, unzufriedene Händler: Der Internet-Auktionator Ebay wächst längst nicht mehr so rasant wie gewohnt. Konzernchefin Meg Whitman investiert hektisch in neue Geschäftsfelder. Der Konzern droht sich zu verzetteln.“ Auch die Welt legt mit dem Artikel den Finger auf offene Wunden.

Die Welt spricht in Sachen eBay vom bröckelnden Glanz, der höchstens bei besonderen Auktionen wie dem Papst-Golf noch einmal etwas aufblitze. Es wird ein deutlich langsameres Wachstum festgestellt und auch, das eBay an seine Grenzen stoße. Das sind in der Tat bekannte Fakten. Und auch das Investoren eBay und dessen Entwicklung am Aktienmarkt längst nicht mehr mit Dollarzeichen in den Augen, sondern mit kritischem Blick beobachten, sind offensichtlich, nicht zuletzt, wenn man den Kursverlauf der Aktie sieht. Seit Anfang 2006 ist der Kurs im Wesentlichen auf Talfahrt, auch wenn er derzeit auf einem niedrigen Niveau um 25 Euro schwankt. eBay’s Aktienkurs der letzten 3 Jahre

Die Welt berichtet weiter, dass eBay-Chefin Meg Whitman scheinbar vor den aktuellen Problemen die Augen verschließe. „Meg Whitman will von diesem Krisengerede nichts hören.“, so Die Welt wörtlich. Die Welt zitiert Whitman damit, dass das Unternehmen erwachsen geworden sei und kommentiert dazu, das Erwachsene nicht mehr wachsen und das Investoren so etwas gar nicht gerne sehen. Die weiteren Zahlen, die Die Welt anführt belegen das sich verlangsamende Wachstum. So berichtet Die Welt, dass der Konzernumsatz im ersten Quartal 2007 langsamer Wuchs als in den Jahren zuvor und das einstige Gewinnmargen von 1,5 Prozentpunkten pro Jahr langsam gegen Null tendieren. Die Zeitung prophezeit auch, dass der Umsatzzuwachs nicht mehr zu halten sei. Wo 2006 noch 31 Prozent Zuwachs verbucht werden konnten, rechne Meg Whitman in diesem Jahr nur noch mit 25 Prozent. Weiterhin schreibt das Blatt, dass Analysten sogar diese Umsatzprognose als zu optimistisch sehen! Auch Die Welt führt wieder die Zahlen der Citigroup an, die von einem 15 prozentigen Rückgang der Angebotszahlen auf der deutschen eBay-Plattform sprechen. Und auch die Studie von Fittkau & Maaß, die von sinkenden Nutzerzahlen in Deutschland sprechen, wird angeführt.

Dann beschäftigt sich der Artikel mit der momentanen Strategie von eBay und sieht auch diese eher kritisch. Die Welt macht für Whitmans bestreben, eBay „breiter aufzustellen“ drei Säulen aus, nämlich die Marktplätze, also das bisherige Kerngeschäft, den Internet-Bezahldienst PayPal und die Internet-Telefonie mit Skype. Die Welt wörtlich: „Für diese Strategie hat der Online-Versteigerer tief in die Tasche gegriffen und sich ein kleines Imperium zusammengekauft.“ Die erste Säule „Marktplätze“ schließt neben eBay selbst auch andere Webseiten ein. Beispielsweise die Preisvergleichsseite www.shopping.com oder die in den USA bekannte Ticket-Plattform www.stubhub.com. Weitere Engagements sind eine 25-Prozent-Beteiligung an Craiglist, dem in den USA erfolgreichsten Anbieter für Online-Kleinanzeigen. In Deutschland wurde vor rund zwei Jahren der Automobilmarktplatz www.mobile.de eingekauft.

Die finanziell erfolgreichste eBay-Tochter ist PayPal. Die 1,5 Milliarden Dollar, die eBay für PayPal bezahlt hat, haben sich gelohnt, denn Die Welt bescheinigt, dass PayPal nicht nur die wichtigste Sparte außerhalb des Marktplatzkonzeptes ist, sondern dass PayPal auch seit Jahren schneller und stabiler wächst, als eBay’s Kerngeschäft. Richtig tief hat eBay in die Tasche gegriffen, um Skype zu übernehmen. 2,6 Milliarden Dollar kostete der Voice over IP-Pionier. Aber hier zitiert Die Welt Meg Whitman wie folgt: “Während Skype seinen Aufstieg bei den Nutzern fortsetzt, entwickeln sich die finanziellen Ergebnisse nicht so, wie wir es zum Zeitpunkt des Kaufs erhofft hatten.” Dennoch sei Skype mittlerweile profitabel.

Der Artikel stellt weiterhin fest, dass eBay Chefin Meg Whitman „im Kaufrausch“ sei und zu „beliebigen Web-2.0-Unternehmen“ greife. So sähen Analysten beispielsweise den Zukauf von www.stumbleupon.com kritisch, da man nicht sähe, wie die Plattform, auf der sich Nutzer gegenseitig Webseiten empfehlen, in das Konzept von eBay passe. Die Welt folgert: „Das Unternehmen droht sich zu verzetteln. Am Ende leidet das Kerngeschäft darunter. Ebay ist bei den Auktionen zum Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Inzwischen geht es darum, die Nutzer nicht in der schieren Masse der Auktionen untergehen zu lassen. Daran haben auch höhere Gebühren nichts geändert.“



Der Artikel erklärt auch, warum eBay Opfer seines Erfolges geworden sei. Am Beispiel der Sony Playstation wird berichtet, dass es dazu 40.000 Treffer gibt und potentielle Käufer von dieser schieren Masse eher abgeschreckt werden, anstatt zu kaufen. Die Suche nach Dingen auf eBay würde damit eher zu Plage. Weiterhin wird festgestellt, dass der Flohmarktcharakter seit langem verschwunden ist und eBay von gewerblichen Händlern geradezu überschwemmt werde. Eine durchaus zutreffende Analyse, wie ich meine! Und gerade diese gewerblichen Händler kritisieren eBay in zunehmendem Maße. Die Welt wörtlich: „Doch vor allem Powerseller kritisieren das Unternehmen scharf. Die Gebühren seien zu hoch, der Service zu schlecht. Zwischen privaten Verkäufern und Profihändlern werde kaum ein Unterschied gemacht.“ Und damit stellt der Autor des Artikels fest, was auch schon in vielen anderen Medien erkannt wurde. Mehr und mehr gewerbliche Händler nutzen weitere Vertriebskanäle und nicht mehr ausschließlich eBay. Und mehr und mehr PowerSeller würden eBay ganz verlassen und mit eigenen Online-Shops an den Start gehen.

Damit nicht genug der Klagen, denn auch private eBay-Nutzer bemängelten Benutzerunfreundlichkeit und betrügerische Verkäufer, die kassieren aber nicht liefern. Wie schon andere Medien erklärt auch Die Welt, dass eBay in Deutschland ein Sicherheitsteam von mehr als 100 Mitarbeitern hat, die diese Probleme adressieren sollen.

Die Welt beleuchtet auch eBay Engagement in neuen Märkten, wobei die Motivation dafür vor allem das verlangsamte Wachstum von eBay Zu Hause in den USA sei. Der Artikel stellt beim internationalen Engagement von eBay auch einen Zuwachs von 38 fest. Aber nicht alle Bemühungen seien von Erfolg gekrönt. In Japan hat Yahoo eBay den Markt abgenommen. Auch in China war die Tochter Eachnet derart erfolglos, dass man jetzt sein Glück mit einer Kooperation mit Tom Online (wir berichteten) suche. Aber auch Yahoo steht hier mehr als nur in den Startlöchern, denn am Marktführer Taobao hat Yahoo laut Die Welt über Alibaba einen Anteil von 40%.

Die Welt kritisiert viel an eBay. Dennoch bescheinigt der Artikel. „Bei aller Kritik an Ebay: Das Unternehmen zählt nach wie vor zu den profitabelsten Unternehmen im Internet. Nach den Zahlen der Marktforscher von Jupiter Research zieht Ebay 95 Prozent aller Internetauktionen an sich. Das ist ein Quasimonopol. Wer etwas zu versteigern hat, kommt an Ebay kaum vorbei. Allein im vergangenen Jahr wechselten bei Ebay Waren im Wert von 52,4 Milliarden Dollar die Besitzer.“

Die Welt bescheinigt Meg Whitman, diesen erfolg maßgeblich geprägt zu haben und in der Tat war eBay 1998, als sie das Ruder übernahm, ein besserer Online-Flohmarkt mit Auktionsflair und ist heute ein Weltkonzern im eCommerce! Das Geschäft und Wachstum seien am Anfang von selbst gewachsen, man hätte kaum mehr machen müssen, als die Server am laufen zu halten und Gebühren zu kassieren. Laut der Welt sei eBay auch 12 Jahre nach seinem Start nach wie vor eine Goldgrube, doch man müsse sich fragen, ob der Weg, den eBay in der Vergangenheit genommen habe, genau so weitergegangen werden könne.

Andreas LergMein Fazit: In den letzten Wochen habe ich – auch für Sie, liebe Leser – zahlreiche Berichterstattungen über eBay verfolgt. eBay steckt meiner Meinung nach keinesfalls in einer wirklichen Krise, denn noch immer brummt der Laden, wenn auch nicht mehr ganz so heftig, wie bisher. Die Welt hat recht damit, das eBay noch immer erfolgreich und eine Goldgrube ist. Aber die Situation hat sich für eBay in der Tat deutlich geändert. Musste man früher wirklich nur die Server am Laufen halten und kassieren, weil man Monopolist war – und derzeit nach wie vor ist – so bedarf es schon seit einer Weile intensiver strategischer Maßnahmen und deutlich mehr Arbeit, den Umsatzmotor am Laufen zu halten. Aber was noch keine Krise ist, könnte eine werden!

Wie gesagt, eBay ist noch Quasimonopolist. Aber andere große Internet-Konzerne haben mittlerweile gewaltige Begehrlichkeiten in Sachen eCommerce entwickelt. Nicht umsonst war der Schlagabtausch zwischen eBay und Google anlässlich der eBay Live in Boston und Google „Party-Plänen“ für seinen eigenen Bezahldienst „Checkout“ dermaßen heftig! Google will definitiv einen fetten Brocken vom eCommerce-Kuchen abhaben. Der Anfang ist der Bereich der Internet-Bezahldienste. Und schauen Sie sich den Kurs der Google-Aktie an! Der Verlauf ist das Gegenteil der eBay-Aktie und verweist steil nach oben! Googles Kriegskassen sind randvoll bis oben hin! Früher oder später ist meiner Meinung nach ein Angriff auf das eBay-Kerngeschäft „Marktplätze“ zu erwarten! Und das Yahoo hier auch ein Wörtchen mitreden will, sieht man an der Entwicklung in Asien.Google’s Kriegskasse ist dick gefüllt!

Meiner Meinung nach sollte sich eBay auf den Bereich besinnen und konzentrieren, auf dem es wirklich gut ist: Seine Marktplätze! Die sich abzeichnenden Probleme müssen in Angriff genommen werden. So muss eBay die Verärgerung der gewerbliche Händler ebenso adressieren, wie die Dinge, die die privaten Nutzer zunehmend frustrieren. Wie schon einmal gesagt, Erfolg macht träge, Trägheit macht langsam und Langsamkeit ist in einem solch dynamischen Geschäft brandgefährlich. eBay war der Pionier in Sachen Online-Shopping und hat Einkaufen im Internet unglaublich populär gemacht. eBay war und ist der Wind in den Segeln vieler eCommerce-Unternehmen. Viele fahren sehr erfolgreich im Fahrwasser mit. Aber eBay muss aufpassen, dass die „dicken Pötte im Teich“ nicht zum überholen ansetzen!

Comments are closed.

Add to Technorati Favorites WordPress Blogmap PageRank Verifizierung www.shop-und-service.com Blog Top Liste - by TopBlogs.de